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Zu Pfinstgottesdienst 1. Juni und Pfingstliche Abendmusik 2. Juni

Dienstag, 2. Juni, um 18 Uhr ein kleines halbstündiges Abschlusskonzert zur Ausstellung mit einem virtuellen Bläserchor an. Die Gemeinde bittet um Voranmeldung zum Konzert unter 0541/ 34500023 oder per Mail an Pfarrer Ammermann unter an@norbert-ammermann.de. Auch dieses Konzert wird gestreamt.

Bildvertonungen

Bildvertonungen der Friedenstaubenbilder von Thomas Hugo Gottesdienst 17.5.2020

Gegenwärtig sind zwei Kunstinstallationen des Künstlers Thomas Hugo in unserer Kirche aufgestellt. Sie begleiten uns in die allmähliche Öffnung der Gottesdienste an Pfingsten hinein. Dafür ein herzlicher Dank an Thomas Hugo. Gegenwärtig ist die Kirche noch geschlossen. Bei Interesse einen Termin vereinbaren mit Pfarrer Norbert Ammermann, 0541 34500023 (an@norbert-ammermann.de), und Mundschutz nicht vergessen!

Zum direkten Videoaufruf Hier anclicken und abrufen!

Lesepredigt christi Himmelfahrt 21.5.2020 Pfarrer Jörg Oberbeckmann

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir merken in diesem seltsamen Frühling, wie schwer es uns fällt, Beziehungen auf Distanz zu führen. Kontaktsperre oder Kontaktverbot sind furchtbare Wörter, die uns inzwischen verstörend vertraut vorkommen. Eine „neue Normalität“ wird beschwören, die es nicht geben wird. Denn nichts ist mehr normal, wenn menschliche Nähe zu einer Gefahr für Leib und Leben werden kann.

Was das alles bedeutet und für Folgen hat, spüren wir in diesen Wochen, wo Abstand halten das Gebot der Stunde ist, um sich selbst und andere nicht zu gefährden.

Just in diese Zeit fällt ein seltsamer und spannender Feiertag: Christi Himmelfahrt. Der Tag erinnert erst einmal daran, dass Jesus Christus nicht mehr bei uns ist auf Erden. Sondern ganz weit weg. Immerhin, - wir wissen, wo er ist und was aus ihm geworden ist, nachdem er am Kreuz gestorben ist und uns genommen wurde. Er ist „auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel“.

Damit verlieren wir hier auf Erden die unmittelbare Beziehung zu Jesus und die Nähe zu ihm. Den Kontakt zu ihm verlieren wir dadurch aber nicht. Es herrscht also keine Kontaktsperre und kein Kontaktverbot zwischen Erde und Himmel. Wir Menschen versperren uns allenfalls (un)freiwillig den Weg gen Himmel und zu Jesus; aus Faulheit, Trägheit oder Unwissenheit, aber immer mit katastrophalen Folgen für die Seele und das Soziale.

Ich kann darum immer nur für das Christsein und Christwerden werben. Es gibt keine bessere Option für das Leben! Davon bin ich mehr denn je überzeugt. Ich plädiere hier für Lockerungen aller Sperren und Sperrungen.

Was erfahren wir als Christen? Und wissen es von daher? - Aus Erfahrung wird man ja bekanntlich klug. Die Christenheit hat erfahren: Jesus geht weg und ist doch da!

Denn wenn das nicht der Fall wäre, dann gäbe es uns nicht. Es gäbe keine christliche Gemeinde auf der Erde und keine Kirche in der Welt. Die johanneische Gemeinde hat diese Erfahrung gemacht, dass Jesus da ist, vor allem für die Seinen.

Denn der Predigttext aus Johannes 17 für Christi Himmelfahrt enthält nicht Worte des „historischen“ Jesus, sondern in diesen Worten spiegelt sich die Erfahrung der Gemeinde, die nicht nach dem Verständnis des Johannes-Evangeliums nichts anderes sein können als Hervorbringungen des verheißenen Tröster-Geistes, den Jesus ankündigt und dessen Kommen und Wirken er ansagt. Die Worte sind also Wirkungen des Geistes des Auferstandenen und gen Himmel Gefahrenen – also echte Jesus-Worte (aber eben nicht des irdischen!)

Die Gemeinde, aus der heraus und für die Johannes schreibt, hat wie wir selbst erfahren, was es bedeutet, wenn Jesus sagt: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Joh 12)

Wir alle haben uns doch mal (an)ziehen lassen von diesem Jesus und haben und halten seither Kontakt zu ihm. Wir Christen leben davon, dass Jesus da ist, auch wenn er nicht da ist. Christen leben davon, dass die Beziehung zwischen Himmel und Erde nicht abreißt, sondern aktiviert bleibt. Wir sind und bleiben sozusagen „online“, sind „im Netz“, also als Christen in ständiger Verbindung mit Christus.

Wenn wir „kein Netz haben“ und „offline“ sind, dann ist „error“ und dann wird es düster. Denn dann verlieren wir die Dimension unseres Lebens, die für unsere Zukunft entscheidend ist: den Himmel. Und wenn wir den Himmel verlieren, dann verlieren wir alles: das Leben, die Zukunft und am Ende auch die Erde. – Nebenbei: die ökologische Krise und die Klimakatastrophe, die uns als nächstes heimsucht mit schlimmen Folgen, ist auch dem Verlust des Himmels und der Gottvergessenheit geschuldet. Der Mensch, der selbst sein will wie Gott, der wird umkommen, - das wissen wir nun wahrhaftig nicht erst seit gestern! Das kann man nachlesen in den entsprechenden Medien. Bekannt wurde dieses Medium unter dem Namen „Bibel“ – das Buch, und darin: Gottes Wort – …

Christi Himmelfahrt ist auf jeden Fall ein Feiertag. Dieser Tag steht gegen den Verlust des Himmels, des Lebens und des Menschen und stemmt sich gegen eine katastrophale Zukunft. Dieser Feiertag erinnert an einen einzigartigen Gewinn. Das macht Jesus selbst deutlich im Johannes-Evangelium.

Er sagt uns „die Wahrheit: Es hilft euch, dass ich weggehe“ (16,7) Und weiter: „Denn wenn ich nicht wegginge, würde der Trost nicht zu euch kommen. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden!“ – Der Trost, das ist das, was Christen mit dem Heiligen Geist verbinden. Dieser Geist vergegenwärtigt Jesus und Gott und verbindet so Himmel und Erde, Gott und Menschen. Jesus ist nach seiner Himmelfahrt nicht mehr körperlich da und also an einen (bestimmten) Ort gebunden, sondern er ist nun mit seinem Geist da – und zwar ab allen Orten und zu allen Zeiten bei allen Menschen, die das wollen. Deshalb kann an so vielen Orten zur gleichen Zeit Gottesdienst gefeiert werden, und es ist überall klar: „Gott ist gegenwärtig“, und zwar Gott in seiner ganzen Fülle als der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Das ist der große Gewinn - für alle! Erfülltes, hoffnungsvolles, verheißungsvolles, wahres und ewiges Leben, das ist die Perspektive dieses Feiertages: „Dies aber ist das ewige Leben: Dass sie dich, den allein wahren Gott, und Jesus, den Messias, den du gesandt hast, erkennen.“ (17,3) Leben, das über die Zeit hinaus bleibt, ist Leben in der Bindung an diesen „allein wahren Gott“. Jesus sagt dann in 17,9: „Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich gehe zu dir.“ Jesus geht also und verlässt die Welt; die Seinen aber bleiben da. Deswegen tritt Jesus für sie, für uns, ein: „Ich bitte aber nicht alleine für sie, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.“ (17,20) –

Glauben entsteht durch das Wort der Seinen. Die Jünger Jesu, von denen sich der HERR hier verabschiedet, werden durch ihr Wort, welches das Wort Gottes ist in Menschenworten, andere Menschen zum Glauben bewegen. So entsteht die große weltweite und durch alle Zeiten hindurch sich bildende „Gemeinschaft der Heiligen“. Für sie bittet Jesus: „Sie sollen alle eins sein, so wie du, Gott, in mir bist und ich in dir.“ In die enge Beziehung Gottes als des Vaters und des Sohnes werden wir, die wir an Jesus glauben, mit hineingenommen. „Sie sollen in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (17,21)

Durch Jesus werden wir also auf einmalige Weise wieder mit dem Himmel in Verbindung gebracht. Der Himmel ist dabei vor allem ein Ort, der nicht (die) Erde ist. Der Mensch gehört zur Erde. Er ist „von Erde genommen“ und er wird am Ende wieder (zu) Erde werden.

Allerdings gehört auch der Himmel zum Menschen, der ich nicht um die bessere Hälfte seines Lebens betrügen lassen will. Denn der Mensch kann aufsehen zum Himmel. Und dann sehen wir diese Dimension: einen wunderen grenzenlosen Raum, der sich über uns auftut, wenn er nicht gerade Wolken verhangen ist. Der Himmel ist also nicht nur der Ort, an dem Flugzeuge zu sehen sind (zum Glück für die Erde gerade coronabedingt nicht so viele) und den wir Menschen inzwischen befliegen und erobern können. Diese Bereich bleibt als Himmel im Vollsinn ein Raum, der für Menschen unzugänglich ist. Und von daher ist für Gläubige klar: das ist der Raum, der (zu) Gott gehört, den Gott um sich hat und erfüllt. Dieser Raum wird nun für uns zugänglich, weil Gott selbst ihn für uns öffnet. Gewiß leben wir Christen auf Erden und singen (unter normalen Umständen, die wir leider gerade nicht haben) und sagen: „Mein Auge schauet, was Gott gebauet, zu seinen Ehren, und uns zu lehren, wie sein Vermögen sei mächtig du groß.“ (Ev. Gesangbuch Lied 449,2)

Schon das, was wir sehen und als wunderbare Schöpfung wahrnehmen, ist ein großes Geschenk. Wir Menschen haben den Kosmos und die Erde nicht gemacht, wohl auch nicht „verdient“. Wie sonst ist zu erklären, dass wir dabei sind, die Erde und alles, was darauf wimmelt und wuselt, zu zerstören?

Als Christenmenschen wollen wir Menschen jedenfalls nicht mit uns Menschen allein bleiben müssen, sozusagen uns selbst ausgeliefert. Wir wollen viel lieber mit Gott leben, von ihm her, auf ihn zu und mit ihm an unserer Seite. Und dazu haut ER Jesus in die Welt gesandt, dass wir diese Möglichkeit bekommen und wahrnehmen. Mit Gott leben, heißt eben auch: vom Himmel her leben und auf ihn hin zu leben, den Himmel im Blick – Jesus nach. Er ist nach den Hinweisen des Johannes von Gott gekommen und zu Gott gegangen und er hat uns da mit hineingenommen; in diese Bewegung himmelwärts, heute schon hier auf Erden. Wir sind nicht mehr nur „geerdet“, sondern auch „verhimmelt“. Denn „Christi Himmelfahrt“ begründet unsere eigene, der Menschen Himmelfahrt. Und damit die Zukunft unseres Lebens. Schöne Aussichten! Diesen Blick des Lebens und diese Perspektive für die Welt wünsche ich Euch und Ihnen an diesem Tag. Herzliche Grüße

Ihr und Euer Pastor Jörg Oberbeckmann